Das Konzert

Ich war zum ersten Mal in meinem Leben zu einem Konzert – ein Erlebnis!
Ich bin seit vielen Jahren Fan der norwegischen Band A-ha. Ich denke, es hat nicht unbedingt etwas mit meiner großen Vorliebe für Skandinavien zu tun. Ganz sicher bin ich mir da aber nicht, weil ich das Gefühl habe, diese Musik kann nur in dieser Umgebung ihren Ursprung haben.

Kann man Geschmack auch vererben? Auch das könnte man anzweifeln. Aber wenn unsere Tochter Fußballfan ist wie ihr Vater kann sie gerne auch den Musikgeschmack der Mutter übernommen haben.
Vor ein paar Jahren tauchte sie mit einem schwarzen Fanshirt auf und schenkte mir eine Tasse mit einem Foto der drei smarten Nordmänner. Sie hatte in Braunschweig ein Aha-Konzert besucht.

Ich freute mich riesig und war etwas schockiert. „Wenn du so etwas planst, hättest du deine Mutter auch mitnehmen können. Ich schätze mal, die Fangemeinde besteht sowieso meistbietend aus Damen weit jenseits der Dreißig.“

Anfang April rief mich unsere Tochter an und erzählte, sie hätte eine Überraschung für mich.
„Ich habe zwei Karten für das Aha-Konzert in Hannover bekommen, sogar mit Hotelübernachtung. Ich hoffe, du kriegst dann auch frei.“
Die Freude war groß!
Leider habe ich nur für den Tag des Konzertes frei bekommen, obwohl es bei gutem Willen mit einem einfachen Tausch anders möglich gewesen wäre.
Was macht man nicht alles, um einmal so ein Event zu erleben? Meinen Führerschein habe ich noch nicht so lange, also beriet die Familie gemeinsam über die Vorgehensweise. Mein Mann fuhr uns beide hin, verbrachte die Zeit des Konzertes im gebuchten Hotelzimmer und wir fuhren nach dem Konzert noch in der Nacht nach Hause.

Die „Weiber“ traten den Weg zur Tui-Arena an. Beide sicherlich sehr aufgeregt, aber mein Level lag wohl erheblich höher als bei meiner Tochter. Eine Stunde standen wir vor der Arena, dann begann der Einmarsch mit Leibesvisitation. In der Vorhalle viele Menschen, ein Wahnsinnsaufgebot an Servicekräften. Security vor allem, Sicherheit ist wichtig. Der größte Teil der Fans war noch draußen, es wirkte wie eine Völkerwanderung.
Wir vertrieben uns die Zeit am Fanshop, beim Essen, auf der Toilette.

Dann suchten wir langsam unsere Plätze auf. Es wurde interessant. Wir hatten zwar Sitzplätze, aber lange hielt es die Fans nicht in Ruheposition. Schon die Vorband war toll. Mein erster Eindruck: VIEL ZU LAUT! Es war nicht nur die Lautstärke, ich hatte das Gefühl, meine inneren Organe würden vibrieren. Der Magen kegelte mit den Nieren, der Darm boxte die Leber. Egal, es war einfach nur geil.
Und es war viel zu schnell vorbei. Die Jungs verabschiedeten sich schon und zogen sich zurück – Zugabe ist ja immer eingeplant, aber was heißt Zugabe auf norwegisch? Da fiel mir ein, dass meine große Norwegenfahne immer noch ungenutzt in meinem Rucksack lag.
Noch einmal traten die Musiker auf die Bühne, aber bevor sie noch ein paar Hits und dann den Rausschmeißer „Take on me“ brachten, schwenkten wir mit der Norwegenfahne und Keyboarder Magne hatte sichtlich seine Freude daran.

VORBEI! Es war super, gigantisch, einfach nur toll. Noch schnell schauten wir in den Fanshop. Für meine Tochter kaufte ich ein graues T-Shirt, da sie mir dieses große Erlebnis spendiert und organisiert hatte.
Ich bin den Norwegern sehr dankbar, dass sie es nie lange ohne Auftritte ausgehalten haben und immer wieder gemeinsam auf die Bühne traten. Ich konnte sie einmal erleben und es muss ja nicht das letzte Mal gewesen sein.  

Dann schnell rein in die Straßenbahn, die kurze Fahrt zum Hotel, unser Kurier Papa hatte die Zeit mit Fernsehen, einer Dönerrolle und mit schlafen verbracht.
Um vier Uhr morgens waren wir im Bett, um sieben Uhr klingelte mein Wecker. Meine Familie konnte schlafen und ich fand den Arbeitstag sehr angenehm. Alles ist gut mit dem Gedanken im Kopf:
Die Wichtigkeit von Schlaf wird sowieso überbewertet.